Wetterstation
Markneukirchen

Luftverschmutzung

Informationsseite zum Thema "Luftschadstoffe - Ursachen und Auswirkungen"
Autor: Florian Wunderlich (kontakt@wetterstation-markneukirchen.de) | Veröffentlicht am 13. Januar 2020 | Lesedauer: 20 bis 25 Minuten

Saubere, frische Luft
Für uns Menschen ist Luft oder vielmehr Sauerstoff überlebenswichtig, ohne diesen können wir nur wenige Minuten auskommen. Welch hohen Einfluss gute Luft auf unsere Lebensqualität hat, merken wir vor allem wenn wir nach einem Waldspaziergang von der guten Waldluft, nach einem Wanderurlaub von der guten Bergluft oder nach dem Sommerurlaub von der guten Seeluft schwärmen. Manche Orte haben sich deswegen sogar zum Luftkurort ernennen lassen.              

 

 

Dass unsere Luft aber nicht immer sauber und frisch ist, wissen wir alle. Ältere Menschen werden aus ihrer eigenen Lebenserfahrung noch sehr gut wissen, dass die Luft bis vor wenigen Jahrzehnten nicht gerade gesundheitsfördernd war. Doch die technischen Errungenschaften in Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und der Energieversorgung haben dazu beigetragen, dass die Luftqualität kontinuierlich zunimmt bzw. die Luftschadstoffe abnehmen. Dabei hilfreich waren auch immer strenger werdende Grenzwerte, welche auf europäischer und nationaler Ebene geregelt sind.

 

Über Grenzwerte von Luftschadstoffen, Stickoxide und Feinstaub wurde öffentlich seit Bekanntwerdens von Manipulationen deutscher und internationaler Automobilhersteller bei Dieselfahrzeugen stark diskutiert. Dichter Stadtverkehr in Berlin (Quelle: dpa/Robert Schlesinger)

Spätestens seitdem im Februar 2018 klar wurde, dass Städte Dieselfahrverbote für besonders belastete Strecken erlassen können, ist das Thema bei jedem Bürger angekommen. Ein breites Bewusstsein für die gesundheitlichen Gefahren wurde hierdurch erlangt.

 

Was bei der Diskussion über die Stickoxide etwas vernachlässigt wurde, ist der Standort solcher Luftmessstationen. Diese wurden „Früher“ traditionell dort aufgestellt, wo die Luft besonders schadstoffreich war, beispielsweise an Straßenkreuzungen, viel befahrenen Straßen oder dort, wo viel Industrie angesiedelt war. Nun können Sie für sich selbst mal reflektieren, wie oft und wie lange Sie sich direkt an viel befahrenen Straßen oder Straßenkreuzungen, die täglich von mehreren tausend Fahrzeugen passiert werden, aufhalten. Das dürfte nur auf sehr wenige Menschen zutreffen, auf all jene außerhalb von Großstädten gar nicht. Zumal die Stickoxidbelastung bereits wenige Meter von der Quelle entfernt deutlich abnimmt.
           

Beschäftigen wir uns stattdessen mit Feinstaub, der weitaus gefährlicher ist und mehr Menschen betrifft
Anfang des Jahres 2019 wurde die
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina von der Regierungschefin Angela Merkel gebeten, sich mit dem Thema Luftschadstoffe (vor allem Stickoxide und Feinstaub) und deren Grenzwerte zu befassen. Das Ergebnis dieser Arbeitsgruppe, welche aus Medizinern, Toxikologen, Biologen, Chemikern, Epidemiologen, Technikwissenschaftlern, Statisten, Wirtschaftswissenschaftlern, Rechtswissenschaftlern, Soziologen, Verkehrsforschern und Materialwissenschaftlern bestand, wurde im Juli 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die komplette 64-seitige Publikation der Leopoldina finden Sie als kostenfreie PDF-Datei: Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019)

Mit ein paar Auszügen aus der Publikation zum Thema Feinstaub, will ich Ihnen die gesundheitliche Gefahr etwas näher bringen:

Was ist Feinstaub?
„Feinstaubteilchen bestehen aus unterschiedlichen chemischen Komponenten und unterscheiden sich in Partikelgröße, Form, chemischer Zusammensetzung und Wasserlöslichkeit. Ihre Schädlichkeit hat weniger mit ihrer chemischen Zusammensetzung zu tun als vielmehr mit ihrer Eigenschaft als Fremdpartikel, die zu anhaltenden Irritationen im Organismus führen können. Besonders belastend sind sogenannte granulare biobeständige Partikel, also körnige Staubteilchen, die vom Körper nicht abbaubar sind. Bei Überschreitung des Grenzwerts für die maximale Arbeitsplatzkonzentration gelten sie in der Arbeitsmedizin als krebserzeugend für den Menschen. Je kleiner die Teilchen sind, desto tiefer können sie in den Körper eindringen. So gelangen PM10-Partikel bis in die Bronchien, PM2,5-Teilchen können bis in die Lungenbläschen eingeatmet werden. Die größeren Atemwege können sich zum Teil selbst reinigen, indem sie die Partikel wieder heraustransportieren. Kleine Partikel werden teilweise wieder ausgeatmet, sie können aber auch über lange Zeit in den tiefen Atemwegen verbleiben. Ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von 0,1 Millionstel Meter (µm) und weniger können von der Lunge in die Blutgefäße übertreten. Vom Blutstrom weitergetragen können sie in anderen Organsystemen und im Blut selbst Schäden anrichten. Die Wirkweise von Feinstaub wurde in einer großen Zahl von Zellversuchen, Tierexperimenten und Studien am Menschen erforscht. Zwar steht ein Gesamtbild noch aus, doch konnten wichtige Krankheitsmechanismen bereits aufgedeckt werden.
In Bronchien und Lunge lösen Partikel Entzündungen aus. Eine Komponente dabei ist der sogenannte oxidative Stress. Das bedeutet, dass reaktive Sauerstoffverbindungen entstehen, die wiederum Entzündungen auslösen und verstärken können. Bei Vorerkrankungen der Atemwege und bei besonders empfindlichen Menschen können sich die Bronchien nach einer akuten Belastung so verengen, dass es zu Husten und Atemnot bis hin zu Asthmaanfällen kommt. Langfristig kann die Lunge eine Neigung zu allergischen Reaktionen entwickeln und es kann zu der Entwicklung einer Asthmakrankheit und chronischen Lungenerkrankungen bei Erwachsenen kommen. Bei Kindern verlangsamt sich das Lungenwachstum. Feinstaub selbst und angelagerte weitere Luftschadstoffe begünstigen die Entstehung von Lungenkrebs.
Entzündungen in den Bronchien und den Lungenbläschen führen zur Ausschüttung von Botenstoffen, die über die Blutbahn eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper auslösen können. Dadurch sinkt die Elastizität der Blutgefäße, die Gerinnungsneigung des Bluts nimmt zu und die Empfindlichkeit der Körperzellen für das Hormon Insulin sinkt. Mögliche Folgen sind Herzinfarkte und Schlaganfälle, die innerhalb von Stunden nach einer erhöhten Belastung auftreten können, sowie langfristig die Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Typ-2 Diabetes) und eine beschleunigte Arteriosklerose. Auch im Gehirn wurden entzündliche Vorgänge beobachtet und mit einer schnelleren Entwicklung einer Demenz bei älteren Menschen und einer verzögerten Intelligenzentwicklung bei Kindern in Verbindung gebracht. Neben entzündlichen Reaktionen kann Feinstaub auch auf andere Weise Schäden im Herz-Kreislauf-System hervorrufen. Dabei wird zunächst das vegetative Nervensystem aktiviert, wodurch Herzfrequenz und Blutdruck steigen. Dies kann zu Herzinfarkten und Herzrhythmusstörungen führen.“
Quelle: Auszug Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 27 und 28

Was ist gesichert über die Wirkungen von Feinstaub?
„Weltweit besteht Einigkeit darüber, dass von Feinstaub im Vergleich zu Stickstoffdioxid die höhere Gesundheitsgefahr ausgeht. Deutlich mehr epidemiologische Studien und umfangreiche toxikologische Studien erlauben eine bessere Charakterisierung der gesundheitlichen Wirkungen und eine klarere Bewertung der Kausalität als bei Stickstoffdioxid. Trotz der guten Studienlage konnte bisher keine untere Wirkungsschwelle identifiziert werden. Das heißt, dass selbst unterhalb der derzeit gültigen Grenzwerte der EU und sogar unterhalb des deutlich niedrigeren Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation die Wirkungen mit zunehmender Belastung ansteigen.
Bei kurzfristiger Belastung kommt es zu einem Anstieg der täglichen Sterberate um 0,4 % bis 1,0 % pro Anstieg der täglichen PM10-Belastung um 10 µg/m3. Außerdem werden mehr Menschen wegen Asthmaanfällen, Herzinfarkten, Herzinsuffizienz oder Schlaganfällen ins Krankenhaus eingewiesen. Im Blut kann man nach Tagen mit hoher Feinstaubkonzentration erhöhte Entzündungswerte und eine verstärkte Gerinnungsneigung messen.
Epidemiologische Studien zu langfristigen Belastungen mit Feinstäuben (Jahre bis Jahrzehnte) zeigen erhebliche Folgen für die menschliche Gesundheit. Bei langfristiger Einwirkung von Feinstaub-Konzentrationen, wie sie heute in Europa üblich sind, steigt die Sterblichkeit in Europa um rund 7 % (mit einer Streuung [Vertrauensbereich] von 2 % bis 13 %) pro zusätzlicher Langzeitbelastung von 5 µg/m3 PM2,5. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Herzinfarkten steigt um rund 12 % (Vertrauensbereich 1 % bis 25 %). Kinder haben ein vermindertes Lungenwachstum, wobei eine Verbesserung der Luftqualität zu einem Anstieg des Lungenwachstums führt. Feinstaub erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Inzwischen gilt es als epidemiologisch gesichert, dass Feinstaub das Risiko für eine Zuckerkrankheit erhöht (Typ-2 Diabetes).
Wichtig ist, dass gesundheitliche Wirkungen von Feinstaub auch unterhalb des heute in der EU gültigen Grenzwerts vorkommen. Diese Wirkungen unterhalb der EU-Grenzwerte und sogar unterhalb des WHO-Richtwerts werden zurzeit in drei großen Studien mit jeweils mehreren Millionen Probanden in Europa, den USA und in Kanada untersucht. Erste Ergebnisse aus den USA zeigen eine lineare Expositions-Wirkungs-Beziehung von Feinstaub mit der Sterblichkeit bis hinunter zu einem Jahresmittelwert von 5 µg/m3. Das bedeutet: Jede Reduktion der Belastung ist mit einem Gesundheitsgewinn verbunden."
Quelle: Auszug Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019)

 – Seite 29 und 30             

 

 

Welche gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub werden vermutet, sind aber noch nicht endgültig gesichert?
"Eine hohe Feinstaubbelastung der Mutter während der Schwangerschaft ist mit einem niedrigeren Geburtsgewicht des Babys verbunden. Neuere Studien deuten darauf hin, dass vor allem verkehrsbedingte Schadstoffe zu Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung bei Kindern und zu einer schnelleren Entwicklung einer Demenz bei älteren Menschen führen. Für diese gesundheitlichen Folgen liegen aber noch nicht genügend Studien vor, um von einem kausalen Zusammenhang sprechen zu können.“ Quelle: Auszug Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 30
           
Im Januar 2019 wurde ein Positionspapier von über 100 Lungenspezialisten öffentlich, in dem die Fachleute das gesundheitliche Risiko von Stickoxiden und Feinstäuben anzweifeln und die Grenzwerte als „völlig unsinnig“ bezeichnet haben. Der CSU-Politiker und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer begrüßte damals die Initiative der Ärzte. Bericht auf Tagesspiegel.de vom 23. Januar 2019: 
Lungenärzte halten Feinstaub-Grenzwerte für unsinnig. Im Februar 2019 wurde jedoch bekannt, dass sich die Lungenfachleute bei ihren Untersuchungen verrechnet haben, an ihrer Kernaussage aber festhalten werden. Bericht auf Tagessschau.de vom 14. Februar 2019: Er hat sich verrechnet.

Die Leopoldina schrieb in ihrer Publikation auch etwas über die Todesfälle aufgrund von Stickoxiden und Feinstaub:
„(…). Der größte Teil der Krankheitslast in Deutschland (2015) wird demnach von Feinstaub verursacht (etwa 60.000 zuschreibbare Todesfälle und 640.000 verlorene Lebensjahre). Rund 13.000 Todesfälle und 130.000 verlorene Lebensjahre werden Stickstoffdioxid zugeschrieben, wobei die Unsicherheiten im Bereich von ±35-45 % liegen (95 %-Vertrauensbereich). Aktuelle Studien deutscher Forschungseinrichtungen finden für Stickstoffdioxid ähnliche Ergebnisse und für Feinstaub deutlich höhere Auswirkungen auf Grundlage neuester epidemiologischer Daten. (…).“ Quelle: Auszug Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 32

Feinstaub ist also nachweislich eine große Gesundheitsgefahr, die jährlich allein hierzulande mehreren tausend Menschen frühzeitig das Lebens kostet. Doch woher kommt all dieser Feinstaub? Zunächst muss man sagen, dass es natürliche Feinstaubquellen gibt. So zum Beispiel, wenn nach langer Trockenheit Dreck oder Staub von den Feldern oder Wegen durch starken Wind aufgewirbelt und abtransportiert wird. Das gilt für Sand oder auch Salzwasser bei starker Gischt an den Küsten. Vulkanausbrüche oder Waldbrände in Kalifornien, Australien und im Amazonas verursachen Feinstaub, der für die Atemluft in Deutschland hingegen nie relevant ist.

Die weiteren Feinstaubquellen aus Sicht der Leopoldina
„Durch den Einsatz von Abgasnachbehandlungssystemen geht der Anteil des Verkehrssektors an den Feinstaub-Emissionen durch Verbrennungsmotoren und damit deren Anteil an den direkten PM2,5-Immissionen seit Jahren kontinuierlich zurück (siehe Abbildung 6.1). Andere Belastungsquellen hingegen stagnieren auf langjährigem Niveau oder nehmen an Bedeutung zu. Dazu zählen der Abrieb von Fahrzeugen (Bremsen, Reifen) und Holzfeuerungen. Beide Emissionsquellen, vor allem aber die Holzöfen, tragen erheblich zur direkten Feinstaub-Immission in Städten bei. Ein wichtiger Aspekt bei Emissionen aus Holzfeuerungen und Feuerwerken: Sie sind oftmals räumlich und zeitlich stärker begrenzt als andere Quellen. Die Zahl von Holzöfen, deren Installation unter ganz bestimmten Voraussetzungen auch staatlich gefördert wurde und wird, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Holzöfen (Einzelraumfeuerstellen) emittieren im Alltagsbetrieb häufig deutlich mehr Feinstaub als auf dem Typenschild angegeben. Dazu tragen unter anderem minderwertige Brennstoffe, falsches Anfeuern mit starker Rauchentwicklung und ein schlecht regulierter Verbrennungsprozess bei. Auch wenn nur noch emissionsärmere Öfen installiert werden dürfen und ältere Modelle stillgelegt werden, rangiert ihr Anteil an den direkten Emissionen von PM2,5 inzwischen deutlich über dem von Verbrennungsmotoren. Der Beitrag der Holzöfen zur Immission ist regional und saisonal stark unterschiedlich. In Wohngebieten mit vielen Holzöfen werden vor allem in den Abendstunden sehr hohe PM2,5-Immissionswerte gemessen. Über Feinstaub hinaus tragen Holzöfen auch zur Belastung mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) bei. Wirkungsvolle Gegenmaßnahmen sind weitgehend noch in der Entwicklung. Das gilt etwa für Systeme zur Minderung des Brems- und Reifenabriebs wie Bremsstaubfilter, beschichtete Bremsscheiben und modifizierte Reifen. Für Holzöfen werden derzeit verschiedene Systeme erprobt, die jedoch noch nicht dieselbe Wirksamkeit wie etwa in Fahrzeugen erzielen. Systeme zur Partikelabscheidung von holzgefeuerten Heizkesseln sind bereits auf dem Markt. Durch die Anwendung von Abgasreinigungstechnologien nehmen verbrennungsmotorische PM2,5-Primäremissionen deutlich ab. Dadurch rücken andere Primär- und Sekundärquellen wie Abrieb, Holzöfen, und Landwirtschaft zunehmend in den Fokus. Sie sollten im Interesse einer weiteren Reduktion der PM2,5-Belastung stärkere Beachtung finden.“ Quelle: Auszug Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 51

In der medialen Berichterstattung über diese Stellungnahme der Leopoldina im Juli 2019 wurde wie so oft kein oder nur ein müdes Wort über die Feinstaubquelle Holzöfen verloren. Dabei ist das einer der wichtigsten Punkte. Die Zahl der Holzöfen, Pelletöfen, Kamine, etc. (oder politisch korrekt: Einzelraumfeuerstellen) ist auch dank politischer Förderung in den letzten Jahren massiv gestiegen. Es gibt offizielle Zahlen, welche von etwa elf Millionen Holzöfen in Deutschland sprechen, andere Schätzungen gehen sogar schon über 15 Millionen hinaus. So wundert es nicht, dass die produzierte Feinstaubmenge aus Einzelraumfeuerstellen – welche überwiegend nur ein halbes Jahr in Betrieb sind – bereits höher ist, als jene Menge, die der Automobilverkehr im Gesamtjahr ausstößt.

Die Luftbelastung durch Holzfeuerung ist für jeden wahrnehmbar. Vor allem abends und bei ausbreitungsarmen, windschwachen Wetterlagen bis tief in die Nacht
Über verschneiten Dächern qualmen etliche Schornsteine

hinein riecht es in diesem Land wieder nach Holzbrand. Die Zahl der Holzverbrenner hat in den letzten Jahren so drastisch zugenommen, dass es inzwischen fast überall dort, wo Menschen leben die dreckigste und gesundheitsgefährdende Luft gibt. Da Luftmessstationen kaum in Wohngebieten messen, entsteht der Eindruck, dass die Luft immer besser wird. Das stimmt zwar in der Gesamtbilanz, aber nicht für die Orte, wo Menschen leben und den überwiegenden Teil des Tages verbringen. In den vornehmen Gegenden herrscht heute die dickste Luft, weshalb in sozialen Medien häufig vom "Reichenfeinstaub" die Rede ist. Mit Holz oder anderen festen Brennstoffen heizen, muss heutzutage nur ein geringer Teil, der nicht die Möglichkeit hat mit Gas, Öl, Solar, Wärmepumpen o.ä. zu heizen, aus welchen Gründen auch immer. Wenn tatsächlich nur jene mit Festbrennstoffen heizen würden, gäbe es kaum noch Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und keine mehr beim Feinstaub. Überspitzt formuliert könnte man sagen: Es macht mehr Sinn Baumärkten den Verkauf von Öfen zu verbieten, als Straßen für Dieselfahrzeuge zu sperren.


Die lustige Willkür mit den Grenzwerten
Der Grenzwert von Feinstaub (PM10) liegt aktuell bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, allerdings nur als ein Tagesdurchschnittswert.
Beispiel: Wenn am Tag für zwei Stunden eine mittlere Feinstaubbelastung von 400 µ/m³ herrschen würde, die restlichen 22 Stunden des Tages aber nur 10 µ/m³, kämen wir auf ein Tagesmittel von 42,5 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Somit läge keine Grenzwertüberschreitung vor. Sie können also jeden Tag für zwei Stunden höchst giftige, chinesische Luftverhältnisse an ihrem Wohnort haben, ohne dass es eine verantwortliche Behörde stören würde. Sollte das Tagesmittel doch über dem Wert 50 liegen, darf das pro Jahr sogar an 35 Tagen der Fall sein. Erst ab Tag 36 bekäme Deutschland von der EU einen „bösen“ Brief.

Stellen Sie sich das mal im Straßenverkehr vor: Anstatt einer Maximalgeschwindigkeit, gäbe es eine Durchschnittsgeschwindigkeit. Wenn Sie also innerorts mit weit über 100 km/h fahren würden, wäre das rechtmäßig, solange Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit des gesamten Tages unter 50 km/h bliebe. Eine solche Regelung käme im Autofahrerland Deutschland bestimmt sehr gut an.


Zurück zum Feinstaub-Grenzwert. Das Problem dabei ist außerdem, dass es keine bestimmte Schwelle gibt, ab dem diese Partikel gefährlich werden. Feinstaub ist immer gesundheitsgefährdend – die Gesundheitsgefahr steigt jedoch mit der Dosis. Jedes Mal, wenn Sie Rauch riechen können, sind Sie dieser Gesundheitsgefahr ausgesetzt. Ihre Kleidung, welche nach wenigen Minuten des abendlichen Aufenthalts im Freien nach Rauch riecht, ist ein schöner Indikator dafür, wie es wohl der Lunge ergangen ist. Auch der geliebte Vierbeiner, dessen Fell geräuchert wurde, atmet diese Konzentration von Feinstaub ein.


Wie Behörden die wahren Verursacher von Feinstaub decken
Wenn es zu Grenzwertüberschreitungen kommt, dauert es meist nicht lange bis sich eine zuständige Behörde zu Wort meldet und die Ursache dem Verkehr in die Schuhe schiebt. Das ist meist nicht sehr raffiniert, schließlich kann jeder nachsehen, wann die Werte am höchsten waren. Natürlich kann eine Messtation die Feinstaubquellen nicht unterscheiden, man kann aber an der zeitlichen Entwicklung sehen, dass es zum Zeitpunkt der höchsten Belastung - meist an Wochenenden und/oder abends zu später Stunde – kaum relevanten Verkehr gibt. Mit der Zunahme der Holzöfen wurden die Feinstaubspitzen in den Abendstunden immer markanter, weshalb sich einige Landesumweltämter dafür entschieden haben, keine stündlichen Werte mehr zu veröffentlichen. Auch in diversen Apps u.a. vom Umweltbundesamt (UBA) gibt es einen "Luftqualitätsindex" mit einem gleitendem 24-Stunden-Mittel, was es unmöglich machen soll, herauszufinden wann die einstündigen Werte tatsächlich am höchsten waren. Die teilweise chinesischen Luftverhältnisse am Abend werden so über den Tag hinweg zur normalen Belastung heruntergemittelt.

Dank
Jörg Kachelmann und dem Team rund um Kachelmannwetter.com ist es jetzt Jedem möglich, alle Messwerte der deutschlandweiten Luftmessstationen stündlich und in grafischer Darstellung

 einzusehen. 

Sehen wir uns ein paar Tage mit wenig Wind aus den vergangenen Monaten an. Warum spielt der Wind eigentlich eine so wichtige Rolle? Wenn wir genug Wind haben, wird der Feinstaub in der Luft schneller verdünnt und abtransportiert. Das Problem beginnt dann, wenn der Wind nicht oder nur sehr schwach weht, weil der ausgestoßene Feinstaub dann für viele Stunden oder Tage an Ort und Stelle bleibt. Windschwache Wetterlagen stehen meist mit einem Hochdruckgebiet in Verbindung.

 

Meteorologischer Exkurs: In einem Hochdruckgebiet sinkt die Luft nach unten, erwärmt sich dabei und führt in der Regel zur Wolkenauflösung. Im Winter kommt es dabei allerdings zur sogenannten Inversionswetterlage, was bedeutet, dass es oben auf den Bergen wärmer ist als unten in den Tälern. Es liegt quasi ein Deckel auf der bodennahen Luft, in der alle Abgase und Feinstäube festgehalten werden.

Solche Wetterlagen haben in der Geschichte schon einige Smog-Katastrophen ausgelöst. Die schlimmste europäische Katastrophe war wohl der Londoner Smog im Dezember 1952, welche ein Umdenken in Großbritannien bewirkt hat.

An der Luftmessstation in Klingenthal gibt es an windschwachen Tagen immer abends die höchsten Werte für Feinstaub (bspw.
15.11.2019, 29.12.2019, 02./06.01.2020). Sie können sich zur Kontrolle auch durch die Sommermonate klicken und herausfinden, dass es außerhalb der Heizperiode keine nennenswerten Feinstaubausschläge gibt. Das nie der Einzelne, sondern immer die Vielzahl an Feuern das Problem ist, ließ sich in Sachsen exemplarisch am 30.04. und 01.05.2019 sehen. Die Feinstaubwerte aus der Nacht zum 01.05.2019 wurden ausgelöst durch die zahlreichen traditionellen Höhenfeuer. Ein einzelnes Feuer wäre vernachlässigbar gewesen, erst die Vielzahl sorgt für flächendeckende Einräucherung. Wie man aber auch sehen kann, war das Problem am Mittag des 01.05.2019 (Messwerte ländlicher Raum vs. städtischer Raum) schon Geschichte, da im Sommerhalbjahr die Thermik den Feinstaubteppich ausräumen kann. Im Winter hält sich das Problem leider viel länger. Der Wechsel in das Jahr 2020 begünstigte für viele Menschen wohl chronische Lungenschädigungen. Die Mischung aus fehlendem Wind, Inversionswetterlage, Holzöfen und Silvesterfeuerwerk sorgte an einigen Messtellen für vierstellige Feinstaubwerte. An einigen Stationen hielten sich die gefährlichen Luftverhältnisse sogar bis zum 02.01.2020.

Normalerweise wäre es schon im Vorfeld sinnvoll gewesen, die Bevölkerung davor zu warnen. Leider fühlen sich Politik und Umweltverbände aber nicht verantwortlich. Auch ein Grund, warum nie die wahre Ursache für Grenzwertüberschreitungen öffentlich wird, ist die staatliche Förderung.

Wenn der Staat zugeben würde, dass das was er fördert, die Menschen krank macht, müsste man sich kritische Fragen gefallen lassen. Wenn Sie sich mit dem Problem der zunehmenden Luftverschmutzung durch Holzfeuerung an Politiker, das Bundesumweltministerium, an die Partei Bündnis 90/Die Grünen oder gar an die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wenden, bekommen Sie nur inhaltleere Standartantworten. Von der Umwelthilfe werden Sie bei allzu kritischer Frageformulierung wahrscheinlich gar keine Antwort erhalten, da sich dieser gemeinnützige Verein neben dem Steuerzahler auch mit dem Verkauf von Pelletöfen finanziell bereichert. Auf der Internetseite der DUH heißt es zwar, dass das Verbrennen von Holz die größte Feinstaubquelle ist, es aber auf alte Öfen, falsches Anfeuern und minderwertige Brennstoffe zurückzuführen sei. Im nächsten Atemzug "bewerben" sie neue Pelletöfen, die ein Siegel von der DUH erhalten sollen. Das nennen sie dann übrigens "Clean Heat", zu Deutsch: Saubere Wärme. Deshalb war die Umwelthilfe auch besessen von den Dieselfahrboten, weil man von der wahren Ursache für schlechte Luftqualität dringend ablenken musste. Denn Stickoxide werden in hohem Maß auch durch Festbrennstoffe freigesetzt.

Gerne angepriesen werden auch Filter, welche zwar tatsächlich den überwiegenden Teil (etwa 90 Prozent) des ausgestoßenen Feinstaubs herausfiltern, in Anbetracht, dass eine Holzfeuerung jedoch tausendfach dreckiger ist als Gas, kann man hier eher von Symbolpolitik reden. Dasselbe gilt für die geplante Erhöhung von Schornsteinen: Das Feinstaubproblem bleibt dennoch existent. Im Moment hat keiner der Verantwortlichen ein ernsthaftes Interesse sich mit 15+ Millionen Holzverbrennern anzulegen.


Die gefährliche Geschichte mit der CO²-Neutralität
Menschen, die ein besonders grünes Gewissen haben wollen, sind in den letzten Jahren zum Holzverbrenner geworden. Dass man dadurch nicht nur die lieben Nachbarn krank macht, sondern auch man selbst der Giftschleuder ausgesetzt ist, wird Ihnen der Schornsteinfeger des Vertrauens wohl verschweigen. Nun nachdem im Klimapaket der Bundesregierung ein Verbot von neuen Ölheizungen ab dem Jahr 2026 anvisiert wird, werden die bisherigen Ölheizer schlimmstenfalls auf Holz umsteigen. Aber tut man der Umwelt damit wirklich einen Gefallen? Ist es in Hinblick auf die Klimakrise wirklich sinnvoll weitere Wälder abzuholzen?

Die interessanten Antworten:
Holz – Beitrag zum Klimaschutz? | Heizen mit Holz – Eine dumme Idee (auf alle deutschsprachigen Länder zutreffend) | Doku: Dirty Hanno II - Die Legende vom sauberen Holz (ORF, 2019) (auf alle deutschsprachigen Länder zutreffend) |

 

Doku: 45 Min Spezial: Was atmest du? (NDR, 2018) (ab 38:45 Thema Holzöfen)

Wie Sie lesen konnten ist es keine erstrebenswerte Handlung Holz zu verbrennen um den CO²-Ausstoß zu senken. Eher das Gegenteil ist der Fall: Wer Holz verbrennt, hilft nicht, er schadet dem Klima.

Fazit
Am Ende muss ein Bewusstsein geschaffen werden, welch große Gefahr nicht nur für die Gesundheit der Menschen, sondern auch für Natur und Umwelt von dem Holzofenwahnsinn ausgeht. Wenn Menschen im Winterhalbjahr kaum noch vor die Tür gehen können, ihre Wohnung nicht mehr oder nur noch in den frühesten Morgenstunden lüften können, um den ganztägigen Holzofenterror zu umgehen, ist nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Lebensqualität in Gefahr. Es wird früher oder später – wenn nicht von Deutschland – ein europäisches Eingreifen geben, das den Holzofenwahnsinn beendet. Es soll bitte niemand in ein paar Jahren, wenn die ersten Folgen der permanenten Feinstaubbelastung sichtbar werden, sagen: „Wir haben von Nichts gewusst.“ Das hat in der Geschichte unseres Landes zwar schon mal funktioniert, darf sich dennoch nicht wiederholen.

Kein Mensch würde sich bei einem Lagerfeuer freiwillig in die Zugrichtung des Rauchs stellen. Bei einem gesunden Verstand wählt man instinktiv einen Platz, der rauchfrei ist.

Für all Jene, die nun wutschäumend vor dem Bildschirm sitzen und sich über die Verbotskultur in unserem Land aufregen wollen, sollten noch über zwei Fragen nachdenken: „Hat nicht jeder das Recht auf körperliche Unversehrtheit?“ oder die Gegenfrage: „Hat man das Recht anderen Menschen völlig grundlos, die Gesundheit zu rauben, vor allem jenen die besonders schutzbedürftig sind? Die Antwort auf beide Fragen sollte hoffentlich klar sein.

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Quellenverzeichnis

Was ist Feinstaub?: PDF-Datei
Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 27 und 28
Was ist gesichert über die Wirkungen von Feinstaub?: PDF-Datei
Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 29 und 30
Welche gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub werden vermutet, sind aber noch nicht endgültig gesichert?: PDF-Datei
Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 30
Pressebericht auf Tagesspiegel.de vom 23. Januar 2019 "Lungenärzte halten Feinstaub-Grenzwert für unsinnig":
https://www.tagesspiegel.de/politik/einseitige-interpretationen-lungenaerzte-halten-feinstaub-grenzwerte-fuer-unsinnig/23899418.html
Pressebericht auf Tagesschau.de vom 14. Februar 2019 "Er hat sich verrechnet":
https://www.tagesschau.de/inland/lungenarzt-koehler-101.html
Todesfälle aufgrund von Stickoxiden und Feinstaub: PDF-Datei
Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 32
Die weiteren Feinstaubquellen: PDF-Datei
Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019) – Seite 51
Grenzwerte von Feinstaub (PM10):
https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/feinstaub-belastung#textpart-2 Abschnitt "Überschreitungssituation"
Messwerte Luftschadstoffe auf Kachelmannwetter.com:
https://kachelmannwetter.com/de/luftqualitaet
Londoner Smog im Dezember 1952:
https://de.wikipedia.org/wiki/Smog-Katastrophe_in_London_1952
Verantwortliche Behörde der Luftmessstation in Klingenthal und Sachsen: Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
https://www.lfulg.sachsen.de/
Deutsche Umwelthilfe - "Clean Heat": 
https://www.clean-heat.eu/de/projekt/clean-heat.html
Holz - Beitrag zum Klimaschutz?:
https://plattform-wald-klima.de/holz-oder-kohle/
Heizen mit Holz - Eine dumme Idee:
https://blog.tagesanzeiger.ch/wettermacher/index.php/732/heizen-mit-holz-eine-dumme-idee/
Dirty Hanno - Die Legende vom sauberen Holz: https://www.youtube.com/watch?v=sHMF-EN2frg
45 Min Spezial - Was atmest du?:
https://www.youtube.com/watch?v=GfXxIqlyin8

Bild 1 - Straßenverkehr:
https://www.rbb24.de/politik/thema/2017/abgasalarm/beitraege/faq-stickoxide-quellen-grenzwerte-auswirkungen.html
Bild 2 - Rauchende Schornsteine:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/besondere-belastungssituationen/emissionen-aus-kleinfeuerungsanlagen-in
Bild 3 - Messwerte-Darstellung:
https://twitter.com/Kachelmann/status/1199457375356379136
Bild 4 - Aufkleber:
https://twitter.com/Kachelmann/status/1053937778113822720



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Quelle: Meteopool.org


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Quelle: DWD.de
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